Jacqueline's Modellbauseiten: 

Supermarine Spitfire LF.IXe / TR.9
ML407 "OU-V" / "162"/ G-LFIX
(Bausatz: Eduard)


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Obwohl nur eine von 5'665 gebauten Spitfires der Version Mk.IX, war die ML407 schon immer etwas ganz Besonderes - und sie ist es noch immer!
Nur wenige Flugzeuge haben einen derart langen, facettenreichen und vollständig dokumentierten "Lebenslauf" vorzuweisen.

Gebaut Anfang 1944 als LF.IXc in Castle Bromwich, wurde sie am 29. April 1944 von der ATA-Pilotin Jackie Sorour (Moggridge) zur Basis der 485 Royal New Zealand Squadron überflogen. Für Jackie war es ein "ganz normaler" Arbeitstag, an dem sie nicht nur diese Spitfire, sondern noch weitere vier Flugzeuge auslieferte: je eine Oxford, Typhoon, Spitfire XIV und Walrus. Selbst wenn sie weniger zu tun gehabt hätte, dachte sie damals ganz bestimmt nicht an die Möglichkeit, Jahrzehnte später nochmals einer dieser Maschinen zu begegnen - geschweige denn damit zu fliegen!

Die quirlige Jackie Sorour beim
Einsteigen in eine Spitfire
Johnnie Houlton mit seiner Boden-
mannschaft vor der ML407

Seltene Aufnahmen der ML407 während ihrer Zeit bei der 485 Squadron

Die ML407 wurde Flying Officer Johnnie Houlton zugeteilt, dem damit am 6. Juni 1944 der Abschuss einer deutschen Ju 88 gelingen sollte. Dies war der erste alliierte Luftsieg während der Invasion in der Normandie. Ungefähr im Juli 1944 wurde die ML407 zur LF.IXe mit neuen, verstärkten Flügeln und geänderter Flügelbewaffnung umgebaut, was manchmal zu Verwirrungen bei der korrekten Typenbezeichnung führt. Bis Dezember 1944 verblieb sie bei der 485 Squadron, um anschliessend ein regelrechtes "Zigeunerleben" bei diversen Einheiten zu beginnen: Anfangs bei den Freien Franzosen, dann nacheinander bei einer belgischen, polnischen und norwegischen RAF-Staffel, um kurz vor Kriegsende wieder zur 485 zurückzukehren.

Nach ein paar Jahren der Einlagerung wurde sie schliesslich 1950 für den Umbau zum Schulungs-Doppelsitzer TR.Mk.9 ausgewählt. Zusammen mit fünf Genossinnen stand sie anschliessend bis 1968 in Diensten des Irish Air Corps, wobei der letzte Flug bereits 1960 stattgefunden hatte.

Die ML407 als TR.9 "162" beim
Irish Air Corps
Eine absurde, gestellte Szene:
Die "162" war gar nicht zum
Bombenschmeissen geeignet...
Die G-LFIX 1985 bei einem Engine
Test Run kurz vor dem Erstflug

Nach dem Verkauf in den zivilen Markt und diversen Besitzerwechseln gelangte die ML407 schliesslich 1979 zu Nick Grace, der die Spitfire während mehrerer Jahre gründlich restaurierte. Die doppelsitzige Ausführung behielt er bei; um jedoch die durch das hintere Canopy ziemlich "verpfuschte" Eleganz wiederherzustellen, wurde eine neue, stromlinienförmigere Kabinenhaube montiert. Am 16. April 1985 startete Nick zum erfolgreichen Erstflug, mit seiner Ehefrau Carolyn auf dem hinteren Sitz.

Die seither mit der (inzwischen äusserlich nicht mehr sichtbaren) Zivilkennung G-LFIX zugelassene "Grace Spitfire" war ein gern gesehener Airshow-Gast, bis das Schicksal brutal zuschlug: Nick Grace verunfallte 1988 bei einem Autounfall tödlich.

Carolyn Grace stand nun plötzlich ganz alleine da mit zwei kleinen Kindern - und einer sehr durstigen Spitfire. Um das Werk ihres verstorbenen Mannes fortzuführen, lernte die bereits über Fluglizenz und Kunstflugerfahrung verfügende Carolyn die Spitfire zu fliegen - was sie inzwischen seit drei Jahrzehnten als zertifizierte Display-Pilotin regelmässig an Airshows tut. Die "Grace Spitfire ML407" ist heute ein richtiger Familienbetrieb: Sohn Richard amtet als Spitfire-Mechaniker und -Pilot, Tochter Olivia ist administrativ tätig.

Carolyn Grace an Ihrem "Arbeitsplatz"
in der ML407
Die ML407 auf ihrer Homebase

Am 29. April 1994 durfte Jackie Moggridge - Sorour den eingangs erwähnten, damals exakt 50 Jahre zuvor durchgeführten Überführungsflug wiederholen. Sie nahm auf dem hinteren Sitz der ML407 Platz und hob - pilotiert von Carolyn Grace - nochmals mit "ihrer" Spitfire ab. Mit einer List brachte Carolyn sie dazu, das Steuer kurz zu übernehmen, und die hatte nach all den Jahren offenbar nichts verlernt! Am Landeort wurde das exklusive Gespann von Johnnie Houlton, dem bekanntlich ersten Einsatzpiloten auf der ML407, und weiteren ehemaligen Mitgliedern der 485 Royal New Zealand Squadron in Empfang genommen.

Jackie Moggridge und Johnnie Houlton
1994 beim Wiedersehen mit der ML407
Die ML407 in ihrem Element
(Foto John Dibbs)

Jackie verstarb 2004 im Alter von 83 Jahren. Ihre Asche wurde am 1. August 2004 von Carolyn Grace über den Blackdown Hills verstreut - selbstverständlich aus der ML407.


Die "Grace Spitfire" auf YouTube


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